Logistikmarktstudie 2026, Ausgabe 3

Transparenz Logistik
LMS 2026 - Ausgabe 3

Die dritte Ausgabe 2026 der Logistikmarktstudie Schweiz richtet den Blick auf ländliche und alpine Räume. Sie zeigt, weshalb Versorgung dort zur logistischen Systemfrage wird und warum Bündelung, Kooperation und Multimodalität wichtiger werden. 

Drei Ausgaben, ein Gesamtbild der Schweizer Logistik 

In Berggebieten kann die letzte Meile zwanzig Kilometer lang sein. Erwartet werden dennoch verfügbare Waren, pünktliche Lieferungen und transparente Sendungsverfolgung. Lange Distanzen, geringe Sendungsdichten, Topografie und saisonale Schwankungen erschweren die Auslastung und erhöhen den Aufwand. Gleichzeitig bleibt eine zuverlässige Versorgung Voraussetzung für Bevölkerung und Wirtschaft. 

Genau diesem Spannungsfeld widmet sich die dritte Ausgabe 2026 der Logistikmarktstudie Schweiz (LMS). Unter dem Schwerpunkt «Periphere Logistik» untersucht sie Herausforderungen, Praxismodelle und Handlungsfelder bei der Versorgung ländlicher und alpiner Räume. 

Die Logistikmarktstudie erscheint jährlich in drei Ausgaben und zeichnet ein Gesamtbild des Schweizer Logistikmarkts. Ausgabe 01/2026 betrachtete den Gesamtmarkt, die Top 100 der Logistikdienstleister, Infrastrukturfragen und die IT-Transformation. Ausgabe 02/2026 fokussierte Entwicklungen im Güterverkehr, Nachhaltigkeit und resiliente Geschäftsmodelle. Ausgabe 03/2026 fragt nun, wie leistungsfähig das System dort ist, wo Dichte fehlt, Wege länger werden und einzelne Achsen über die Erreichbarkeit entscheiden. 

Peripherie ist keine Randfrage 

Logistische Versorgung ist Voraussetzung für Landwirtschaft, Gewerbe, Gesundheitsversorgung, Tourismus und regionale Wertschöpfung. 

Besonders der Tourismus verdeutlicht die Herausforderungen. In Crans-Montana schwankt die Zahl der zu versorgenden anwesenden Personen gemäss den Experteninterviews beispielsweise zwischen rund 7'000 und 70'000. In der Hochsaison müssen kurzfristig hohe Volumen bewältigt werden. Ausserhalb der Saison fehlen dagegen Mengen für eine effiziente Auslastung. In einem beschriebenen Fall wird dieselbe Abladestelle in der Nebensaison nur noch jeden dritten Tag angefahren. 

Periphere Logistik beeinflusst damit unmittelbar die Standort- und Wettbewerbsfähigkeit ganzer Regionen. 

Sechs Herausforderungen prägen die Versorgung 

Der Kostendruck entsteht aus mehreren Bedingungen, die sich gegenseitig verstärken. 

Erstens gehören Distanz und geringe Sendungsdichte zu den grundlegenden Kostentreibern. Wo wenige Sendungen über lange Strecken verteilt werden, fehlen Skaleneffekte. Zweitens erhöht die Topografie den Aufwand. Steigungen, enge Strassen, Gewichtsbeschränkungen oder autofreie Orte verlangen besondere Fahrzeuge und zusätzliche Umschläge. 

Wie konkret sich das auswirkt, zeigt die in der Studie dargestellte Versorgungskette Visp–Zermatt. Waren werden in Visp auf die Bahn umgeschlagen, nach Zermatt transportiert und dort mit Elektrofahrzeugen verteilt. Ein Detailhandelscontainer mit 36 Rollcontainern bedeutet bei einer Kapazität von sechs Rollcontainern pro Fahrzeug allein sechs Fahrten im Ort. 

Saisonalität erschwert die Kapazitätsplanung, unausgeglichene Warenströme verteuern Rückfahrten, und die Abhängigkeit von einzelnen Achsen mindert die Resilienz. Bewilligungen und föderale Zuständigkeiten schaffen zusätzlichen Koordinationsaufwand. 

Die 21 Experteninterviews unterstreichen die Breite der Herausforderungen: Topografie und zusätzliche Umschlagstufen wurden in 17 Gesprächen thematisiert. Die Abhängigkeit von einzelnen Achsen und hohe Stückkosten kamen jeweils in 16 Interviews zur Sprache. Geringe Sendungsdichte, Saisonalität sowie Bewilligungs- und Föderalismusfragen wurden jeweils in 14 Interviews genannt. 

Drei Ziele im Spannungsfeld 

Die LMS ordnet die Befunde entlang dreier Zielgrössen: Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit. Diese Ziele ergänzen sich, stehen aber teilweise in einem strukturellen Konflikt. Maximale Auslastung ist nicht automatisch maximal resilient. Kapazitätsreserven und alternative Versorgungswege erhöhen die Versorgungssicherheit, verursachen jedoch Kosten. Ökologisch vorteilhafte Lösungen wiederum müssen langfristig auch betrieblich tragfähig sein. 

Sichtbar wird dieses Spannungsfeld beim Universaldienst. Für 2024 weist die Studie unter Berufung auf PostCom Nettokosten der Grundversorgung von 363 Millionen Franken aus. Gleichzeitig gehen traditionelle Briefmengen zurück, während der Anspruch an eine flächendeckende Versorgung bestehen bleibt. 

Auch Transportunternehmen, Detailhandel und Gemeinden müssen Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit ausbalancieren. In einzelnen autofreien Tourismusgemeinden übernimmt die Gemeinde selbst die Feinverteilung. Entscheidend ist deshalb nicht nur die optimale Tour, sondern ein tragfähiges Versorgungssystem. 

Bündelung ist der zentrale Hebel 

Die wichtigste Erkenntnis der dritten LMS-Ausgabe ist ebenso grundlegend wie anspruchsvoll: Warenströme in der Peripherie müssen besser gebündelt werden. Bündelung und neutrale Disposition wurden in 19 der 21 Interviews als Lösungsrichtung genannt. 

Das Prinzip: Nicht jeder Anbieter optimiert ausschliesslich seine eigene Tour. Sendungen unterschiedlicher Unternehmen werden dort zusammengeführt, wo sich dadurch die Auslastung verbessern und Parallelverkehr reduzieren lässt. Ein mögliches Modell ist eine neutrale Disposition beziehungsweise ein White-Label-Ansatz. Ein unabhängiger Akteur übernimmt die gebündelte Verteilung, ohne mit den beteiligten Unternehmen um die Endkundenbeziehung zu konkurrieren. 

Die Umsetzung bleibt anspruchsvoll: Kosten, Effizienzgewinne, Datenaustausch und neutrale Trägerschaft müssen geregelt werden. Ein Satz aus den Interviews bringt es auf den Punkt: «Wir überschätzen Infrastruktur und unterschätzen Netzwerk.» 

Multimodalität und Daten zusammendenken 

Ein zweiter Hebel ist die Multimodalität. Gerade in alpinen Regionen können Schiene, Bergbahnen und Strasse sinnvoll kombiniert werden. Beispiele aus der Studie zeigen, dass Bergbahnen Güter teilweise als Nebengeschäft oder integriert in den Personenverkehr transportieren. Für autofreie Orte bleiben sie zentral. 

Mikro-Hubs und Umschlagpunkte am Taleingang können Waren verschiedener Absender bündeln. In einzelnen autofreien Orten organisieren Gemeinden die letzte Meile bereits selbst. 

Hinzu kommt der Datenaustausch. KI-gestützte Disposition und Prognose wurde in 17 Interviews als Lösungsrichtung genannt. Ein Praxistest zeigt, dass eine KI-gestützte Disposition bei guter Datenlage nahe an die Planung eines erfahrenen Disponenten herankommen kann. Voraussetzung sind belastbare Stammdaten und digital vernetzte Aufträge, Fahrzeuge und Systeme. 

KI löst die strukturellen Probleme nicht, kann vorhandene Ressourcen aber intelligenter einsetzen. Ihr Nutzen setzt gemeinsame Standards, verfügbare Daten und abgestimmte Prozesse voraus. 

Sechs Handlungsfelder für die periphere Logistik 

Aus den Ergebnissen leitet die Logistikmarktstudie sechs miteinander verbundene Handlungsfelder ab: Sendungen bündeln und neutral disponieren, multimodale Ketten über Schiene und Bergbahnen stärken, Rückfrachtpotenziale erschliessen, Mikro-Hubs und Umschlagknoten ausbauen, Datenstandards und Datenaustausch etablieren sowie Trägerschaft und Finanzierung klären. KI-gestützte Disposition und Prognose wirkt dabei als Querschnittsinstrument. 

Die Hebel wirken nur gemeinsam. Bündelung braucht Umschlagpunkte und Daten, multimodale Angebote benötigen koordinierte Prozesse, Plattformmodelle eine neutrale Trägerschaft. Die Perspektive verschiebt sich von der einzelnen Tour zum Versorgungssystem. 

Die Peripherie als Prüfstein des Gesamtsystems 

Damit fügt sich Ausgabe 03 konsequent in das Konzept der Logistikmarktstudie Schweiz 2026 ein. Ausgabe 01 betrachtet Markt und strukturelle Rahmenbedingungen. Ausgabe 02 nimmt Trends, Nachhaltigkeit und resiliente Geschäftsmodelle in den Blick. Ausgabe 03 untersucht, wie leistungsfähig das System unter besonders anspruchsvollen geografischen und wirtschaftlichen Bedingungen bleibt. 

Die Peripherie wird so zum Prüfstein für die Schweizer Logistik. Denn Resilienz zeigt sich nicht nur dort, wo hohe Volumen, kurze Wege und dichte Infrastrukturen vorhanden sind. Sie zeigt sich gerade dort, wo Mengen klein, Wege lang, Alternativen knapp und Nachfrageschwankungen gross sind. 

Herausgegeben wird die Logistikmarktstudie Schweiz von GS1 Switzerland. Erstellung und Redaktion erfolgen durch die Universität St. Gallen. Eine breite Trägerschaft unterstützt die LMS und trägt dazu bei, wissenschaftliche Analyse mit den Erfahrungen von Wirtschaft und öffentlicher Hand zu verbinden. 

Für Ausgabe 03/2026 wurden 21 semistrukturierte Experteninterviews geführt. Beteiligt waren Akteure aus Transport und Logistik, Detailhandel, Bahn, Universaldienst, Infrastruktur und öffentlicher Hand, darunter Planzer, Galliker, Murpf, Cargo24, Coop, Migros, Denner, Volg, Post CH, Matterhorn Gotthard Bahn, Jungfraubahnen, Rigi Bahnen, Swisscom, das Bundesamt für Raumentwicklung ARE und das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. 

Das Ergebnis ist ein praxisnahes Bild: Versorgungssicherheit verlangt gemeinsam gedachte Warenströme, geeignete Infrastrukturen, verfügbare Daten, tragfähige Kooperationen und klare Verantwortlichkeiten. 

Ausgabe 03/2026 jetzt herunterladen 

Wie lassen sich Transporte in ländlichen und alpinen Regionen besser bündeln? Welche Rollen übernehmen Bahn, Bergbahnen, Gemeinden, Handel und Logistikdienstleister? Wo liegen die Chancen künstlicher Intelligenz? Und welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Versorgungssicherheit langfristig wirtschaftlich und nachhaltig bleibt? 

Die vollständige Ausgabe 03/2026 der Logistikmarktstudie Schweiz vertieft die Ergebnisse mit Analysen, Praxisbeispielen und konkreten Handlungsfeldern. 

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