SLA26: Gewinnerinterview

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SLA26 Sieger Interview - Post & Klinik Seeschau

Die Klinik Seeschau und Die Schweizerische Post gewinnen den 31. Swiss Logistics Award.

Philipp Juchli von der Klinik Seeschau und Adrian Pfister von der Schweizerischen Post freuen sich und teilen im Video erste Gedanken, direkt nach ihrem gemeinsamen Sieg mit dem Projekt “Just-in-time OP-Logistik”.

Wenn das Pflegepersonal wieder Zeit für Patienten hat, haben wir unseren Job gemacht.

Auf dem Siegertreppchen beim Swiss Logistics Award 2026: Während andere noch über die Digitalisierung der Spitallogistik diskutieren, hat die Post mit der Klinik Seeschau bereits geliefert.

Daniel Vögeli, Leiter Branchenlösungen und CCO, Die Schweizerische Post, gibt Einblick in ein Projekt, das zeigt, wie weit die Transformation bereits fortgeschritten ist – und stellt eine These auf, die aufhorchen lässt: Ist die Auslagerung der Spitallogistik wirklich keine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann?

Herr Vögeli, herzliche Gratulation zum Swiss Logistics Award 2026. Die Post hat zusammen mit der Klinik Seeschau gewonnen. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von der Auszeichnung erfahren haben?

Vor allem eines: Stolz. Nicht auf mich, sondern auf die Teams hinter diesem Projekt. Die Klinik Seeschau und die Schweizerische Post haben an einem Strang gezogen. Die Post ist seit über 15 Jahren in der Gesundheitslogistik tätig, und erarbeitet gemeinsam mit ihren Kunden an innovativen Projekten entlang der Supply Chain der Spitäler.

15 Jahre, das klingt nach viel Geduld.

Oder nach Beharrlichkeit. Im Gesundheitswesen baut man keine Lösungen über Nacht. Vertrauen entsteht über Jahre, über gelebte Partnerschaften. Genau das ist unser Fundament.

Logistik ist ja nicht gerade das glamouröseste Thema...

Das stimmt, wir werden selten mit roten Teppichen assoziiert. Aber ich glaube, die Jury hat gesehen, was hinter den Zahlen steckt: Pflegefachkräfte, die wieder Zeit für Patientinnen und Patienten haben. Ein Spital, das durch freigewordenen Lagerraum neue OP-Kapazitäten schaffen konnte, ohne zusätzlichen Neubau. Das ist keine Logistik-Übung. Das ist Gesundheitsversorgung.

Wie funktioniert das konkret? Was passiert, wenn heute eine Lieferung in der Klinik Seeschau ankommt?

Das Pflegepersonal scannt einen Barcode an der OP-Schleuse, fertig. Für jeden geplanten Eingriff haben wir vorher eine individuelle Fallbox gepackt und just-in-time geliefert. Operative Beschaffung, Bestellung, Lager, Rechnung: alles läuft automatisch im Hintergrund. Früher hat das Team dafür Stunden aufgewendet. Heute ist es ein Scan.

Das klingt nach einem grossen Unterschied zum früheren Alltag. Die Klinik Seeschau spart heute 400 000 Franken pro Jahr und hat 90 Prozent weniger Logistikaufwand. Was bedeutet das konkret für die Menschen, die dort arbeiten?

Logistik im Spital sollte wie Strom aus der Steckdose sein, sie muss einfach funktionieren, ohne dass jemand darüber nachdenken muss. Pflegefachkräfte, die früher einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Bestellungen und Lagerkontrollen verbracht haben, können sich heute wieder auf das konzentrieren, wofür sie ausgebildet wurden: die Patientinnen und Patienten. Dass wir das mit der Klinik Seeschau erreicht haben, ist für mich der eigentliche Beweis.

Und die Zukunft? Wo sehen Sie die Gesundheitslogistik in zehn Jahren?

Ich sage es klar: In zehn Jahren werden die Schweizer Spitäler mehrheitlich ihre Logistik ausgelagert haben. Kostendruck, Fachkräftemangel, Digitalisierung, oder auch Engpässe in den Lieferketten – die Rahmenbedingungen machen es schlicht unrentabel, Logistik selbst zu betreiben. Wir arbeiten bereits an Systemen, bei denen Verbrauchsdaten in Echtzeit aus dem OP-Saal in unsere Plattform fliessen und Nachlieferungen vollautomatisch ausgelöst werden, noch bevor das Pflegepersonal merkt, dass etwas zur Neige geht.

Alles auslagern? Das ist eine steile These. Was, wenn Sie sich irren?

Der Kostendruck auf die Spitäler wächst, der Fachkräftemangel in der Pflege ist real, und kein Spital kann es sich auf Dauer leisten, qualifiziertes Personal mit Bestellungen und Lagerverwaltung zu beschäftigen. Dazu kommt: Viele Kliniken liegen mitten in den Städten. Teure Flächen, die heute als Lager genutzt werden, könnten für die Patientenversorgung genutzt werden. Und der Druck auf den Zulieferverkehr in den Innenstädten nimmt zu, immer mehr Restriktionen, immer weniger Spielraum. Mit unserem Modell reduzieren wir die Anlieferungen um bis zu 80 Prozent. Das ist nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch ein Beitrag zur Lebensqualität im städtischen Umfeld.

Am Ende ist es ganz einfach: Die Post ist Spezialistin in der Logistik, das Spital ist Spezialist in der Patientenversorgung. Wenn jeder das tut, was er am besten kann, profitieren alle davon. Wir arbeiten heute bereits an vollautomatischen Systemen, bei denen Verbrauchsdaten in Echtzeit aus dem OP-Saal in unsere Plattform fliessen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Und die Gesundheitslogistik der Post wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

Hier erfährst du noch mehr über den Swiss Logistics Award.

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