Supply Chain Innovation Day 2026

Transparenz Logistik
Nils Planzer - Speaker SCID

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Nils, wie beurteilst du die aktuelle Situation des Wirtschaftsstandorts Schweiz und welche Auswirkungen hat das auf die Logistikbranche?

Der Produktionsstandort Schweiz befindet sich in einem strukturellen Wandel. Produziert werden hierzulande zunehmend kleinere, spezialisierte und technologisch anspruchsvolle Produkte mit hoher Wertschöpfung, während grossvolumige und schwere Güter an Bedeutung verlieren.

Diese Entwicklung spüren wir auch als Logistikdienstleister unmittelbar: Das Transportvolumen bewegt sich nach wie vor auf einem stabilen und relativ hohen Niveau. Gleichzeitig verändert sich jedoch die Struktur der Sendungen. Aufgrund der zunehmend kleinteiligen und technologisch geprägten Produktion sinkt das durchschnittliche Gewicht pro Sendung, während die Anzahl der zu transportierenden Sendungen entsprechend hoch bleibt.

Für uns bedeutet dies weniger einen Rückgang der Nachfrage als vielmehr eine Veränderung der Anforderungen an die Logistik. Entscheidend ist, unsere Prozesse und Strukturen laufend auf diese Entwicklung auszurichten und auch bei veränderten Sendungsstrukturen effizient und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Welche Chancen siehst du für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz?

Die Schweiz verfügt über hervorragende Bildungs- und Forschungseinrichtungen, die international einen ausgezeichneten Ruf geniessen. Gerade im Technologie- und Innovationsbereich gehören wir zur Weltspitze. Institutionen wie die ETH Zürich nehmen beispielsweise in der Robotik und anderen Zukunftstechnologien eine führende Rolle ein.

Dass viele globale Technologieunternehmen wie Google oder andere internationale Digitalkonzerne bedeutende Standorte in der Schweiz betreiben, ist kein Zufall. Sie profitieren von diesem innovativen und stabilen Umfeld.

Wie wichtig ist die Offenheit gegenüber neuen Technologien für die Zukunft der Schweiz?

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Schweiz offen gegenüber neuen Technologien ist. Das erleben wir aktuell bei unserem Projekt mit einem autonomen Fahrzeug, das sich noch in der Entwicklungsphase befindet. Ich habe den Eindruck, dass wir hier von kurzen Wegen und einer gewissen Offenheit profitieren.

Gerade weil die Schweiz nur über begrenzte natürliche Ressourcen verfügt, ist es entscheidend, dass wir im Denken flexibel bleiben und neue Lösungen entwickeln. Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir unsere Stärken in den Bereichen Innovation und Kreativität weiter pflegen. Dann haben wir auch künftig gute Chancen, attraktive Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen.

Bist du mit Blick auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz optimistisch?

Ich bin grundsätzlich optimistisch. Die Schweiz hat sich über viele Jahrzehnte in diese Richtung entwickelt. Kreative Lösungen, Leistungsbereitschaft und Flexibilität waren immer wichtige Erfolgsfaktoren. 

Dazu kommt eine Arbeitskultur, die im internationalen Vergleich durchaus vorbildlich ist. Viele Menschen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und zum Erfolg eines Unternehmens beizutragen. Das sind Voraussetzungen, mit denen wir auch künftig erfolgreich sein können.

Die Welt wird immer dynamischer. Ist es unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch möglich, langfristig zu planen? Oder werden Strategien mit einem Horizont von fünf, zehn oder mehr Jahren zunehmend weniger realistisch?

Ja, ich glaube, das ist nach wie vor wichtig und auch realistisch. Als Familienunternehmen haben wir den Vorteil, dass wir nicht den Zyklen der Börse unterstellt sind. Deshalb verfolgen wir langfristige Ideen und entwickeln diese kontinuierlich weiter.

Dabei denken wir nicht nur in fünf Jahren, sondern teilweise auch in Zeiträumen von zwanzig Jahren. Unser Ziel ist es, die richtigen Lösungen zu entwickeln, damit wir unseren Kundinnen und Kunden auch künftig attraktive Dienstleistungen bieten können.

Ich bin überzeugt, dass man langfristig planen und investieren kann. Das hängt auch damit zusammen, dass ich an die Zukunft der Schweiz glaube. Dieser langfristige Horizont unterscheidet Familienunternehmen in gewissen Punkten von Grosskonzernen, bei denen kurzfristiges Denken oft stärker im Vordergrund steht.

Welchen Einfluss wird die technologische Entwicklung auf die Logistik der Zukunft haben?

Natürlich wird sich die Technologie weiterentwickeln. Die Fahrzeuge, die wir heute einsetzen, werden in zehn oder fünfzehn Jahren anders aussehen. Aber ich gehe davon aus, dass wir auch dann noch Waren physisch transportieren werden. Entscheidend ist deshalb, dass wir diese Transporte möglichst intelligent und umweltschonend gestalten.

Was braucht es aus deiner Sicht, damit die Schweiz auch künftig ein attraktiver Logistikstandort bleibt?

Wichtig ist, dass wir Bewährtem weiterhin Sorge tragen. Dazu gehören eine gute Schieneninfrastruktur, leistungsfähige Strassenverbindungen und funktionierende Flughäfen. Gleichzeitig darf sich die Schweiz ihrer Stärken bewusst sein. Wir verfügen über hervorragende Rahmenbedingungen, hohe Qualität, Verlässlichkeit und eine starke Innovationskraft – Standortvorteile, die im internationalen Wettbewerb nicht selbstverständlich sind. Wenn es uns gelingt, diese Qualitäten zu bewahren und gleichzeitig offen für Weiterentwicklung zu bleiben, wird die Schweiz auch in Zukunft ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Standort für Logistik und Wirtschaft sein.