Im StageOne in Zürich-Oerlikon ging es am 18. Juni wortwörtlich heiss zu und her. Rund 450 Teilnehmende aus Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft trafen sich am GS1 Excellence Day 2026 unter dem Motto «Data. Demand. Supply.». Rasch wurde deutlich: Die Diskussion hat sich verändert. Statt über die Möglichkeiten der Digitalisierung zu sprechen, stand deren konkrete Umsetzung im Mittelpunkt.
Einblicke von First Movern sowie Diskussionen über Datenqualität und KI zeigten, wohin die Reise geht. Lösungen wie der 2D-Code, der Digitale Produktpass oder die Datenaustauschplattform firstbase sorgten für spürbare Aufbruchstimmung: Jetzt ist der Zeitpunkt, die Weichen zu stellen und die Potenziale datengetriebener Geschäftsmodelle zu nutzen.
Nach der Begrüssung durch GS1 Switzerland CEO Jörg Mathis eröffnete Katrin Nussbaumer von der Schweizerischen Post den Tag mit ihrer Inspirationskeynote. Unter dem Titel «Vom Klick zur Klingel – Daten als Schlüssel zur perfekten Paketzustellung» zeigte sie eindrücklich, wie Digitalisierung und intelligente Datennutzung die Zustellung von morgen prägen. Ihre Ausführungen machten deutlich: Kundenerwartungen steigen kontinuierlich – und nur mit qualitativ hochwertigen Daten lässt sich das Kundenerlebnis auf die nächste Stufe heben.
Anschliessend vertieften sich die Teilnehmenden in den Breakout-Sessions der Streams Data, Demand und Supply. Ob resiliente Lieferketten, Datenaustausch im Gesundheitswesen, Lösungen für die Kreislaufwirtschaft, oder KI-getriebene, intelligente Ansätze – die Sessions boten praxisnahe Einblicke und regten zu intensivem fachlichem Austausch an. Die Pausen wurden entsprechend rege genutzt: diskutiert, hinterfragt und vernetzt wurde praktisch an jeder Ecke des StageOne.
Best of Solution Partner Use Case 2026
Ein besonderer Höhepunkt des Nachmittags war die Wahl zum «Best of Solution Partner Use Case 2026». Drei Solution Partner präsentierten ihre erfolgreich umgesetzten Projekte und stellten sich dem Urteil des Publikums.
Am Ende setzte sich buildup gemeinsam mit KWC durch. Ausschlaggebend dürfte die überzeugende Verbindung eines starken Schweizer Traditionsbrands mit der zukunftsweisenden Umsetzung des Digitalen Produktpasses gewesen sein. Überzeugt hat dabei auch der integrale Ansatz zur Auschöpfung der Möglichkeiten bis hin zum Mehrwert für Endkonsumentinnen und Endkonsumenten. Auf den weiteren Plätzen folgten das internationale Digitalisierungsprojekt von Datagraphs für Syngenta sowie die innovative Umsetzung von Wipotec für Liqui Moly.
Zwischen Quantencomputing, KI und Verhandlungskunst
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen neuer Perspektiven. Francesco Bongiovanni nahm das Publikum mit auf eine Reise in die Welt des Quantencomputings und zeigte auf, wie Unternehmen bereits heute die Weichen für das Quantenzeitalter stellen können. Alexandra Ebert plädierte in ihrer Keynote für einen pragmatischen Umgang mit künstlicher Intelligenz: weniger Hype, mehr Fokus auf konkrete Anwendungsfälle und echten Mehrwert.
Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Verhandlungsexperte Matthias Schranner. Seine Botschaft: Erfolgreiche Verhandlungen beginnen mit Selbstreflexion. Wer seine eigenen Trigger kennt, kann auch unter Druck souverän bleiben. Statt vorschnell zu reagieren, empfiehlt Schranner innezuhalten, zuzuhören und neugierig zu bleiben. Besonders eindrücklich blieb sein Rat, in schwierigen Situationen nicht nach dem «Warum?» zu fragen, sondern den Konflikt als Chance zu verstehen. Oder wie er es formulierte: «Konflikte darf man geniessen».
Human. Machine. Decision.
Den inhaltlichen Abschluss bildete die Podiumsdiskussion «Human. Machine. Decision.» mit Alexandra Ebert, Matthias Schranner und Bruno Kiser unter der Moderation von Tobias Müller.
Die Diskussion zeigte eindrücklich, dass künstliche Intelligenz zwar immer leistungsfähiger wird, die Verantwortung für Entscheidungen aber weiterhin beim Menschen liegt. Dabei fiel ein Satz, der vielen bekannt vorkommen dürfte: «Bullshit in, bullshit out.» Ohne qualitativ hochwertige Daten bleiben auch die besten Algorithmen wirkungslos.
Ein weiterer zentraler Gedanke: Technologie allein genügt nicht. Wer die Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden nicht versteht oder keine klaren Ziele verfolgt, wird auch mit KI keinen nachhaltigen Erfolg erzielen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass auch Menschen nicht automatisch besser entscheiden. Empathie, Verständnis für andere Perspektiven und die Fähigkeit, Unsicherheiten auszuhalten, bleiben anspruchsvolle Kompetenzen.
Vielleicht das wichtigste Fazit des Tages: Das Schlimmste ist, keine Entscheidung zu treffen und abzuwarten.
Damit schloss sich der Kreis zum Leitgedanken des GS1 Excellence Day. Ob Digitaler Produktpass, 2D-Codes, oder neue Datenräume mit firstbase – die Technologien und Standards sind vorhanden. Jetzt geht es darum, sie umzusetzen.
Just do it now!