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CEO Blog Jörg Mathis

Jörg Mathis, CEO von GS1 Switzerland, liefert in diesem neuen Format eine strategische Guideline für die kommenden Quartale.

Wenn ich heute mit Verwaltungsräten, CEOs oder Supply-Chain-Verantwortlichen spreche, begegnet mir selten Optimismus im klassischen Sinn. Stattdessen dominieren Realismus, Vorsicht – und die Frage: Wie bleiben wir handlungsfähig in einer Welt, die gleichzeitig fragmentierter und schneller wird?

Die Weltwirtschaft befindet sich nicht in einer zyklischen Delle, sondern in einer Phase struktureller Verschiebungen. Geopolitische Spannungen, volatile Energie- und Rohstoffmärkte, fragile Lieferketten und eine zunehmende Regulierungsdichte prägen den Alltag von Führungskräften. Planungssicherheit ist zur Ausnahme geworden. Resilienz ist zur Kernkompetenz moderner Unternehmensführung avanciert.

Die neue Realität: Anpassungsfähigkeit schlägt Wachstumseuphorie

In den kommenden Quartalen wird es weniger darum gehen, aggressiv zu wachsen, sondern robust zu bleiben. Effizienz, Transparenz und Geschwindigkeit sind keine Differenzierungsmerkmale mehr – sie sind die Eintrittskarte in den Markt.

Was wir global beobachten:

  • Lieferketten werden kürzer, aber komplexer

  • Datenanforderungen steigen exponentiell

  • Regulatorische Vorgaben wirken direkt auf operative Prozesse

Unternehmen, die diese Realität akzeptieren und ihre Strategien darauf ausrichten, verschaffen sich einen entscheidenden Vorteil. 

Die zentrale Frage lautet nicht mehr „Was ist unsere Vision?“, sondern zunehmend: „Wie belastbar ist unser System?“

Standards als Stabilitätsanker in einer instabilen Welt

Gerade in Zeiten hoher Unsicherheit zeigt sich der wahre Wert internationaler Standards. GS1 steht exemplarisch für diese Stabilität.

Was früher primär als Identifikationssystem verstanden wurde, entwickelt sich heute zu einer datengetriebenen Infrastruktur für vernetzte Ökosysteme:

  • eindeutige Identifikation von Produkten, Standorten und Akteuren

  • konsistente, strukturierte und interoperable Daten

  • globale Anschlussfähigkeit – über Branchen und Länder hinweg

Ob Handel, Industrie oder Gesundheitswesen: Standards sind die Voraussetzung für Skalierung, regulatorische Konformität und digitale Innovation. 

In einer fragmentierten Welt schaffen Standards Verbindung.

Regulierung wird zur strategischen Führungsfrage

Die regulatorische Dynamik wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Lieferkettensorgfaltspflichten, Produktsicherheitsanforderungen, ESG-Berichtspflichten, Digital- und Cyber-Regularien – all das wirkt nicht mehr isoliert, sondern direkt auf Prozesse, IT-Architekturen und Geschäftsmodelle.

Der entscheidende Wendepunkt: Compliance ist keine Frage der Dokumentation mehr, sondern der Datenverfügbarkeit und Systemarchitektur. Unternehmen, die regulatorische Anforderungen frühzeitig digital abbilden, automatisieren und standardisieren, gewinnen:

  • schnellere Time-to-Compliance

  • geringere operative Kosten

  • höhere Transparenz gegenüber Behörden, Partnern und Konsumenten

GS1 Standards bieten hier eine bewährte Grundlage, um regulatorische Anforderungen nicht nur zu erfüllen, sondern strategisch zu nutzen.

 

Nachhaltigkeit zwischen Anspruch und Realität

So wichtig ökologische und soziale Verantwortung bleibt, so ehrlich müssen wir sein: Die globale Realität entfernt sich aktuell von vielen ambitionierten Nachhaltigkeitszielen. Wirtschaftliche Zwänge, geopolitische Interessen und kurzfristige Stabilitätsfragen verschieben Prioritäten.

Für Unternehmen entsteht ein Spannungsfeld:

  • gesellschaftliche Erwartungen vs. ökonomische Machbarkeit

  • langfristige Ziele vs. kurzfristige Resilienz

Gerade deshalb braucht Nachhaltigkeit Struktur statt Symbolik. Transparente Daten, nachvollziehbare Lieferketten und belastbare Kennzahlen sind Voraussetzung, um Nachhaltigkeit auch in schwierigen Zeiten glaubwürdig zu verankern.

Ohne Standards keine Skalierung!

Digitalisierung und KI: Fokus auf Wertschöpfung, nicht auf Hype

Parallel dazu erleben wir eine klare strategische Verschiebung: Künstliche Intelligenz ist vom Zukunftsversprechen zum operativen Werkzeug geworden. Prognosen, Automatisierung, Qualitätsmanagement, Betrugserkennung oder Kundeninteraktion – KI ist angekommen.

Doch der entscheidende Punkt wird oft unterschätzt: KI ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert.

Datenqualität, eindeutige Identifikation, Governance und Interoperabilität sind die wahren Erfolgsfaktoren. Ohne sie bleibt KI ein isoliertes Experiment. Mit ihnen wird sie zum Produktivitätshebel.

Der Kreis schliesst sich: GS1 Standards schaffen die Voraussetzung für verantwortungsvolle, skalierbare und regulatorisch konforme Digitalisierung.

Führung bedeutet Orientierung geben

Wir erleben keine lineare Transformation, sondern eine Phase gleichzeitiger Brüche und Beschleunigung. Die kommenden Quartale werden anspruchsvoll – aber sie bieten auch Chancen.

Unternehmen, die jetzt:

  • auf robuste Standards setzen

  • Digitalisierung strategisch statt opportunistisch angehen

  • Regulierung als Gestaltungsrahmen begreifen

  • und Daten als zentrales Führungsinstrument nutzen

werden nicht nur bestehen, sondern gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen.

Führung bedeutet heute vor allem: Orientierung geben.

Unseren Organisationen und Unternehmen Orientierung zu geben - in einer Wirtschaftswelt, die komplexer, schneller und widersprüchlicher geworden ist – genau darin liegt unsere gemeinsame Verantwortung.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in dieser ersten Phase des Jahres. 

Jörg Mathis

www.gs1.ch

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