Interview: DPP bringt Kreislaufwirtschaft voran

Kreislaufwirtschaft Digital Product Pass Konsumgüter/Retail Technische Industrien
Interviewpartner Präsident von CES Philipp Rufer

Der Digitale Produktpass (DPP) eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten für Transparenz, Nachhaltigkeit und zirkuläre Geschäftsmodelle. Mit ihm lassen sich Produktlebenszyklen nachvollziehbar gestalten, Services wie Reparatur oder Wiederaufbereitung effizienter anbieten und neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Gemeinsam mit Philipp Rufer, Präsident von CES, werfen wir einen Blick auf das Potenzial des Digitalen Produktpasses für zirkuläre Geschäftsmodelle und auf die nächsten Schritte für Unternehmen.

Im Whitepaper betonen Sie, dass der Digitale Produktpass ein zentraler Hebel ist, um u.a. R-Strategien wie Reuse, Repair, Refurbish oder Remanufacture in der Praxis zu stärken und echte zirkuläre Geschäftsmodelle zu ermöglichen.
Welche konkreten Veränderungen erwarten Sie durch den DPP für Unternehmen, die heute bereits aktiv in der Kreislaufwirtschaft unterwegs sind – und wo sehen Sie das grösste zusätzliche Potenzial?

Philipp Rufer (PR): Der Digitale Produktpass wird für Unternehmen, die bereits Kreislaufwirtschafts-Aktivitäten verfolgen, ein echter Effizienztreiber. Er erleichtert bestehende Bemühungen und bildet eine effiziente Grundlage für zirkuläre Aufgaben wie Reparatur, Wiederaufbereitung oder Remanufacturing – was den Business Case für Kreislaufwirtschaft stärkt.

Das grösste zusätzliche Potenzial liegt aus Nachhaltigkeitsperspektive in mehr Transparenz für Kundinnen und Kunden. Wenn Informationen zur Reparaturfähigkeit oder Materialzusammensetzung verfügbar sind, können Konsumenten bewusstere Kaufentscheidungen treffen. Das ist ein entscheidender Hebel, um Nachfrage und Angebot in Richtung weg von billigen und qualitativ schlechten, hin zu zirkulären Produkten mit längerer Produktlebensdauer zu lenken.

Damit der Digitale Produktpass in der Praxis diese Transparenz schaffen kann, müssen die zugrundeliegenden Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette eindeutig identifizierbar, interoperabel und zuverlässig zugänglich sein. Hier kommen globale Standards ins Spiel, die den DPP erst skalierbar und international anschlussfähig machen.
Welche Rolle spielen globale, offene Standards wie jene von GS1 aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche und breit skalierbare Umsetzung des Digitalen Produktpasses – und warum sind sie aus Ihrer Perspektive für zirkuläre Ökosysteme unverzichtbar?

PR: Normierung und Standardisierung sind Grundvoraussetzungen für Effizienzsteigerung – besonders in einer Wirtschaft mit globalisierten Wertschöpfungsketten. Offene Standards wie jene von GS1 schaffen die Basis für eindeutige Produktidentifikation und verlässliche Datenverknüpfung über den gesamte Wertschöpfungskette und Lebenszyklus. Ohne interoperable Standards bleibt ein DPP fragmentiert oder eine Sisyphus-Aufgabe. Mit ihnen wird er skalierbar, vertrauenswürdig und international anschlussfähig – und damit unverzichtbar für zirkuläre Ökosysteme.

Das Whitepaper rät Unternehmen, frühzeitig Pilotprojekte zu starten, Datenquellen zu analysieren und interne wie externe Akteure in eine gemeinsame Datenpipeline einzubinden. Welche Empfehlungen geben Sie Unternehmen, die jetzt mit dem DPP beginnen wollen – insbesondere jenen, die ihren Transformationsweg zur Kreislaufwirtschaft strukturiert und zukunftsorientiert gestalten möchten?

PR: Der DPP ist mehr als ein Datentool – er ist der Zugangspunkt zur Nachhaltigkeit aus Kundensicht. Unternehmen sollten diese Chance nutzen, um die Nachhaltigkeitsentwicklung uns somit Produkttransformation kundenorientiert zu gestalten:

  • Welche Produktinformationen wünscht der Kunde?
  • Welche zusätzlichen Dienstleistungen schaffen Mehrwert und stärken gleichzeitig die Nachhaltigkeit?
  • Wo entsteht zusätzliche Wertschöpfung durch Transparenz und Serviceangebote?

Mein Rat: früh starten, klein beginnen, gross denken. Pilotprojekte, Analyse der bestehenden Datenquellen und die Einbindung von Partnern entlang der Wertschöpfungskette sind entscheidend. Wer den DPP strategisch nutzt, positioniert sich nicht nur regulatorisch sicher, sondern eröffnet neue Geschäftsmodelle und stärkt die Kundenbindung.

Mit dem Digitalen Produktpass werden Transparenz, zirkuläre Geschäftsmodelle und nachhaltige Produktstrategien greifbar. Wer jetzt die Chancen erkennt und erste Schritte geht, kann nicht nur regulatorisch voraus sein, sondern auch neue Wertschöpfung erschliessen und Kundinnen und Kunden langfristig binden.

📅 DPP Inspirationsevent am 21. Januar 2026 mit Circular Economy Switzerland und BloqSens: Erleben Sie praxisnah, wie Unternehmen den DPP erfolgreich einsetzen und diskutieren Sie mit Expertinnen und Experten über die nächsten Schritte für Ihr Unternehmen.

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