Der Auftakt: Warum der nächste Schritt im Retail jetzt beginnt
Zum Auftakt richtet Bruno Kiser, Director Industry Engagement bei GS1 Switzerland, den Blick nach vorne. Der Handel stehe an einem Wendepunkt, erklärt er. Technologien entwickeln sich rasant weiter – und mit ihnen die Möglichkeiten, Produkte, Daten und Konsumenten miteinander zu verbinden.
Ein zentrales Stichwort fällt dabei früh: 2D-Code.
Er wird künftig weit mehr leisten können als der klassische Barcode – etwa zusätzliche Informationen bereitstellen, Transparenz schaffen oder Prozesse entlang der Lieferkette effizienter machen. Kurz gesagt: ein Code, der gleichzeitig für Logistik, Marketing und Konsumentennutzen funktioniert.
Was Konsumentinnen und Konsumenten wirklich bewegt
Dr. Anja Reimer, Business Partner Strategic & Analytic und Philipp Berger, Senior Analytic Consultant - beide von NielsenIQ - liefern danach eine Bestandsaufnahme aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten.
Vier Faktoren prägen heute viele Kaufentscheidungen: Preis, Qualität, Nachhaltigkeit und Convenience. Vor allem Convenience bedeutet für viele Menschen eines: Zeit sparen.
Gleichzeitig zeigt sich ein anderes, vielleicht überraschendes Muster. Trotz Preisdruck bleiben starke Marken relevant. Viele Konsumenten entscheiden sich bewusst für Produkte, die zu ihnen passen – Marken, in denen sie sich wiedererkennen.
Der Trend lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: «All about me».
Personalisierung und Identifikation werden damit zu wichtigen Erfolgsfaktoren im Handel.
Der Technologiesprung, den wir gerade erleben
Kurzfristig springt Yves Mäder, Industry Leader Retail, TelCo & Agency von Google als Speaker für den verhinderten Kollegen Christopher Völpel ein – und nutzt die Gelegenheit, um das Publikum auf eine Reise durch den aktuellen Technologiesprung mitzunehmen.
Generative KI, so seine Botschaft, verändert Plattformen, Marken und Kommunikation schneller als viele erwartet hätten. Der Moment sei vergleichbar mit früheren grossen Technologiesprüngen im Internet.
Oder anders gesagt: Wir erleben gerade das Abenteuer einer neuen technologischen Ära – und gestalten sie selbst mit.
Warum Partnerschaften entscheidend sind
Astrid Teckentrup, Vorsitzende der Geschäftsführung D-A-CH von Procter & Gamble knüpft daran mit einer grundsätzlichen Frage an: Was brauchen Menschen wirklich?
Ihre Antwort führt zurück zu dem Konzept, das im Handel seit Jahren bekannt ist – aber heute wichtiger denn je wird: Efficient Consumer Response (ECR).
Der Gedanke dahinter ist einfach: Wert entsteht dann, wenn Handel und Hersteller zusammenarbeiten, statt nebeneinander zu agieren. Wenn Daten, Prozesse und Strategien gemeinsam gedacht werden.
Partnerschaften seien deshalb kein Luxus, sondern eine absolute Notwendigkeit, um nachhaltig Mehrwert zu schaffen – für Händler, Hersteller und vor allem für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Lidl: Wer aufhört besser zu werden, ist nicht gut genug
Im Gespräch mit Claudia Gabler von FYNEST gibt Nicholas Pennanen, CEO von Lidl Schweiz Einblicke in die Strategie des Discounters.
Eine Aussage prägt sich dabei besonders ein:
«Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.»
Lidl entwickelt sich in der Schweiz konsequent weiter – weg vom klassischen Hard Discount hin zu einem Smart Discount, der stärker auf die Bedürfnisse des lokalen Marktes ausgerichtet ist. Entscheidungen werden möglichst nahe am Markt getroffen.
Auch beim Wachstum bleibt das Unternehmen ambitioniert: Lidl möchte sein Filialnetz in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren auf bis zu 300 Standorte ausbauen.
Digitec Galaxus: Riesige Reichweite – und noch viel Potenzial
Raphael Harzheim, Head of Category Management, Digitec Galaxus stellt eine einfache Frage an das Publikum:
«Wer hat schon einmal bei Galaxus eingekauft?»
Fast alle Hände gehen in die Luft. Doch bei einer zweiten Frage verändert sich das Bild:
«Und wer kauft frische Lebensmittel bei Galaxus?»
Nur ca. 1% der Hände bleiben oben.
Dabei ist die Plattform riesig: Über zehn Millionen Produkte und rund 4,6 Millionen Nutzer pro Jahr. Besonders im FMCG-Bereich sieht Harzheim deshalb enormes Potenzial – auch, oder gerade weil - der Onlineanteil bei Lebensmitteln in der Schweiz noch vergleichsweise klein ist.
Ein Blick auf die meistgekauften Produkte zeigt interessante Muster: grosse Packungen wie Rasierklingen-Multipacks, Monatsvorräte an Windeln oder Getränkegebinde. Produkte also, die viele Menschen gerne online bestellen, weil sie nicht selbst schleppen möchten.
Eine Herausforderung bleibt allerdings offen: Frischeprodukte.
Wie sich diese Kategorie im Onlinehandel nachhaltig skalieren lässt, ist weiterhin eine der spannendsten Fragen für die Zukunft.
Coop: Innovation, Nachhaltigkeit und ein klarer Blick nach vorne
Den mit Spannung erwarteten Abschluss des Forums gestaltet Philipp Wyss, CEO von Coop. Der Detailhändler bewegt heute bereits rund 35 Milliarden Franken Umsatz – und wächst weiter.
Neben wirtschaftlichem Wachstum stehen Themen wie Nachhaltigkeit, Engagement gegen Food Waste, Ausbildung von Lernenden und eine grosse Berufsvielfalt mit 37 verschiedenen Berufen im Fokus.
Auch bei der Logistik setzt Coop auf Innovation. Eine eigene Bahnlogistik transportiert Waren über lange Strecken auf der Schiene – nur die letzte Meile erfolgt auf der Strasse. Perspektivisch sollen elektrische Lösungen für diese letzte Strecke eingesetzt werden.
Im Frischebereich helfen heute bereits KI-basierte Prognosen, Nachfrage und Mengen besser zu planen. In die Berechnungen fliessen unter anderem Wetterdaten und regionale Unterschiede ein. Ziel ist es, Lieferketten effizienter zu gestalten und gleichzeitig Food Waste zu reduzieren.
Der Barcode hat ein Ablaufdatum
Zum Schluss greift Wyss noch ein Thema auf, das den ganzen Tag über immer wieder aufgetaucht ist.
Sein Fazit ist klar und provokant:
«Der Barcode ist letztes Jahrhundert.»
Die Zukunft liege im 2D-Code. Coop arbeitet bereits daran, beispielsweise Produkte der Marke Bell mit entsprechenden Codes auszustatten. Langfristig solle der 2D-Code eine zentrale Rolle spielen – etwa für Rückverfolgbarkeit, Produktinformationen oder effizienteres Warenmanagement.
Wyss formuliert sogar ein klares Ziel: Ab 2030 könnten Produkte ohne 2D-Code bei Coop nicht mehr ins Sortiment aufgenommen werden.
Der Kreis schliesst sich - gemeinsam stark!
Was Bruno Kiser zu Beginn angesprochen hat, wird am Ende noch einmal greifbar: Der 2D-Code könnte zum verbindenden Element im Handel werden.
Er bringt Daten, Marketing, Logistik und Konsumentennutzen zusammen – ein «One Code for All». Gleichzeitig macht er deutlich, dass Unternehmen stärker über Abteilungsgrenzen hinweg denken müssen. Daten, Marketing und Supply Chain gehören enger zusammen.
Das Retail & Shopper Forum 2026 hat gezeigt: Die Zukunft des Handels entsteht nicht allein durch Technologie. Sie entsteht dort, wo Partnerschaften funktionieren, Perspektiven geteilt werden und der Shopper konsequent im Mittelpunkt steht.
Oder, wie es das Motto des Tages formuliert:
Together we transform the retail of tomorrow.
Save the next date: 11. März 2027! Das Team GS1 Competence Center Category Management dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, den Speakern, GS1 Solution Partnern und Ausstellern, den Sponsoren Swisscom und Google und dem Medienpartner persönlich. www.gs1.ch / Retail & Shopper Forum 2026