Interview mit Estefanía Soler Babra
Direktorin der Lean & Green International Association
Lean & Green schlägt ein neues Kapitel auf. Interview mit der neuen Leitung Estefania...
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Lean & Green hat mit der Gründung der Lean & Green International Association eine neue Phase erreicht. Was bedeutet dieser Meilenstein für die Initiative und warum ist er so wichtig?
Die Gründung der Lean & Green International Association ist ein wichtiger Schritt, um der Initiative eine stärkere und einheitlichere internationale Struktur zu geben.
Lean & Green ist durch verschiedene nationale Gemeinschaften gewachsen. Die neue Vereinigung ermöglicht es uns nun, diese besser miteinander zu vernetzen, das Programm zu harmonisieren und Unternehmen zu unterstützen, die grenzüberschreitend tätig sind. Das ist besonders im Logistiksektor von Bedeutung, denn Lieferketten werden immer internationaler und Unternehmen benötigen klare, vergleichbare und glaubwürdige Rahmenbedingungen.
Sie haben vor Kurzem die Leitung der neuen internationalen Vereinigung übernommen. Stellen Sie sich bitte kurz vor und erzählen Sie uns, was Sie motiviert hat, diese Aufgabe anzunehmen.
Ich bin Estefanía Soler Babra, Direktorin der Lean & Green International Association. Mein beruflicher Hintergrund liegt in den Bereichen Nachhaltigkeit, Logistik und Programmmanagement im maritimen Geschäft eines international tätigen Logistikunternehmens.
Besonders motiviert hat mich die Möglichkeit, an einer praxisnahen europäischen Initiative mitzuwirken, die Unternehmen dabei unterstützt, den Schritt von ehrgeizigen Zielen hin zu konkretem Handeln zu gehen. Die Dekarbonisierung der Logistik ist eine komplexe Herausforderung, die sich nur gemeinsam bewältigen lässt. Lean & Green bietet dafür einen strukturierten und kooperativen Ansatz, der Unternehmen und Länder mit einem gemeinsamen Ziel zusammenbringt. Denn gemeinsam erreichen wir mehr.
Ich war immer überzeugt, dass die Anstrengungen und Investitionen von Unternehmen zur Reduktion von Transportemissionen durch einen glaubwürdigen Zertifizierungsrahmen unterstützt werden sollten – einen Rahmen, der Fortschritte anerkennt und Unternehmen dabei hilft, diese transparent und vertrauenswürdig zu kommunizieren.
Was unterscheidet Lean & Green von anderen Nachhaltigkeitsinitiativen im Transport- und Logistikbereich?
Während sich viele Nachhaltigkeitszertifizierungen allgemein mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen befassen, konzentriert sich Lean & Green gezielt auf Emissionen in Logistik und Transport. Dadurch übernimmt die Initiative eine klar definierte Rolle: Sie unterstützt Unternehmen dabei, ihre Fortschritte bei der Dekarbonisierung ihrer Logistik messbar zu strukturieren, nachzuweisen und zu kommunizieren.
Gleichzeitig entsteht eine Gemeinschaft, in der Unternehmen voneinander lernen und den Wandel gemeinsam beschleunigen können.
Wo sehen Sie die grösste Chance für Lean & Green in den kommenden Jahren?
Die grösste Chance besteht darin, Lean & Green als vertrauenswürdigen, auf die Logistik spezialisierten Zertifizierungsstandard für die Dekarbonisierung in Europa und darüber hinaus zu etablieren.
Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre Emissionen zu senken und glaubwürdige Informationen über ihre Fortschritte bereitzustellen. Lean & Green kann sie dabei mit einer klaren Methodik, einem starken Netzwerk und einer internationalen Struktur unterstützen, die für Einheitlichkeit über Ländergrenzen hinweg sorgt.
Ein zentrales Ziel der neuen Vereinigung ist die Harmonisierung des Programms in den teilnehmenden Ländern. Warum ist ein gemeinsamer europäischer Rahmen für Unternehmen so wichtig?
Ein gemeinsamer europäischer Rahmen schafft Klarheit und Einheitlichkeit. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund von CountEmissionsEU wichtig, das auf eine einheitliche Methodik zur Berechnung von Transportemissionen hinarbeitet – einschliesslich der Emissionen aus Transportprozessen und Logistikstandorten.
Gerade deshalb gewinnt die Harmonisierung von Lean & Green über Ländergrenzen hinweg zusätzlich an Bedeutung. Sie ermöglicht international tätigen Unternehmen vergleichbare Kriterien, reduziert die Komplexität und stärkt die Glaubwürdigkeit des Programms.
Die Schweiz ist seit 2018 Teil der Lean & Green Initiative. Welche Rolle spielt die Schweizer Community innerhalb der International Association und worin liegen ihre besonderen Stärken?
Die Schweiz spielt seit 2018 eine wichtige Rolle bei Lean & Green und bringt wertvolle Erfahrungen in die internationale Vereinigung ein.
Besonders schätzen wir die Schweizer Kompetenz im Einsatz von Elektro-Lkw. Viele Logistikprozesse in der Schweiz eignen sich aufgrund kontrollierbarer Distanzen und Routen besonders gut für die Elektrifizierung.
Diese Erfahrungen gewinnen zusätzlich an Bedeutung, da Europa das Ziel verfolgt, der erste elektrisch betriebene Kontinent zu werden, seine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren und seine energiepolitische Unabhängigkeit zu stärken.
Mit ihrem praxisorientierten Ansatz, ihrem hohen Qualitätsanspruch, ihrem starken Engagement sowie ihrem gut entwickelten Ökosystem rund um Elektromobilität und Ladeinfrastruktur kann die Schweizer Community wertvolle Erkenntnisse einbringen und dazu beitragen, ein noch wirkungsvolleres internationales Programm aufzubauen.
Welche Ziele haben für Sie als Direktorin derzeit höchste Priorität?
Zu meinen wichtigsten Aufgaben gehören die Konsolidierung der Governance-Strukturen der Vereinigung, die Harmonisierung der Programmkriterien sowie die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Ländern.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausrichtung des Programms an den aktuellen europäischen regulatorischen Entwicklungen, insbesondere an der Empowering Consumers Directive und der Green Claims Directive. Nur so können wir sicherstellen, dass Lean & Green auch künftig glaubwürdig, transparent und verlässlich bleibt, wenn es darum geht, die Fortschritte von Unternehmen anzuerkennen und sichtbar zu machen.
Darüber hinaus möchte ich ein verantwortungsvolles Wachstum fördern – mit einem klaren Fokus auf Qualität, Glaubwürdigkeit und einem echten Mehrwert für die Unternehmen.
Wie sieht Ihre langfristige Vision für die Initiative aus?
Meine langfristige Vision ist es, Lean & Green als international anerkannte Referenzzertifizierung für die Dekarbonisierung der Logistik zu etablieren.
Die Initiative soll Unternehmen dabei unterstützen, messbare Fortschritte zu erzielen, Wissen über Ländergrenzen hinweg auszutauschen und Nachhaltigkeitsziele in konkrete operative Verbesserungen umzusetzen.
Durch die konsequente Ausrichtung auf Logistik- und Transportemissionen kann Lean & Green zudem als wertvolle Referenz für umfassendere Nachhaltigkeitszertifizierungen dienen und belastbare, branchenspezifische Nachweise über die Fortschritte von Unternehmen liefern.
Woran wird sich der Erfolg der Lean & Green International Association messen lassen?
Erfolg wird sich an drei Faktoren messen lassen: Glaubwürdigkeit, Wirkung und Zusammenarbeit.
Glaubwürdigkeit bedeutet klare Kriterien und transparente Prozesse. Wirkung bedeutet tatsächlich messbare Emissionsreduktionen bei den teilnehmenden Unternehmen. Zusammenarbeit bedeutet eine starke internationale Gemeinschaft, die gemeinsam auf dieselben Ziele hinarbeitet.
Was möchten Sie Unternehmen mit auf den Weg geben, die noch nicht Teil von Lean & Green sind?
Lean & Green bietet einen praxisnahen Einstieg oder die Möglichkeit, den eigenen Weg zur Dekarbonisierung der Logistik gezielt weiterzuentwickeln.
Unternehmen erhalten einen klaren Rahmen, eine fundierte Methodik und Zugang zu einer starken Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Gleichzeitig hilft die Initiative dabei, die bereits geleisteten Anstrengungen und Investitionen zur Reduktion von Transportemissionen sichtbar zu machen, glaubwürdig anzuerkennen und wirkungsvoll zu kommunizieren.
Niemand muss diese Herausforderung allein bewältigen. Lean & Green begleitet Unternehmen Schritt für Schritt und unterstützt sie dabei, echte Fortschritte nachzuweisen.
Was inspiriert Sie persönlich am meisten daran, an der Dekarbonisierung von Transport und Logistik zu arbeiten?
Mich inspiriert vor allem die Tatsache, dass Logistik ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags ist und Veränderungen in diesem Bereich eine enorme Wirkung entfalten können.
Ich war immer überzeugt davon, dass wir die Vorteile der Globalisierung und des internationalen Warenverkehrs von den Emissionen entkoppeln müssen, die dieser Verkehr verursacht. Waren müssen auch künftig grenzüberschreitend transportiert werden können – allerdings ohne dabei unseren Planeten unnötig zu belasten.
Deshalb arbeite ich so gerne an Lösungen, die praxisnah, messbar und auf Zusammenarbeit ausgerichtet sind. Es motiviert mich, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Anstrengungen in anerkannte Fortschritte umzuwandeln und diese glaubwürdig zu kommunizieren.
Die Richtung ist klar: Die Logistik muss effizienter, transparenter und emissionsärmer werden. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam schneller vorankommen und mehr erreichen können.
Die Übersetzung ist journalistisch formuliert und für eine Newsplattform wie ONE geeignet. Sie ist näher an einem redaktionellen Interviewstil als an einer wörtlichen Übersetzung und liest sich flüssig im Deutschen. Wenn ONE konsequent Schweizer Hochdeutsch verwendet, wurden bereits die entsprechenden Schreibweisen (z. B. grenzüberschreitend, einschliesslich, Fokus, Elektro-Lkw) berücksichtigt.